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5.4/6

The Island President

Jon Shenk's "The Island President" ist die Geschichte des maledivischen Präsidenten Mohamed Nasheed, der mit einem grösseren Problem konfrontiert ist als je ein Staatsoberhaupt vor ihm – dem buchstäblichen Überleben seines Landes und allen darin lebenden Menschen. Nachdem er seinem Land nach dreissig Jahren Diktatur die Demokratie gebracht hat, steht Nasheed nun einer noch grösseren Herausforderung gegenüber: Als eines der tiefstliegenden Länder der Welt würde bereits ein Anstieg der Meeresspiegels um 1 Meter genügen, um die 1200 Inseln der Malediven unbewohnbar zu machen.

"The Island President" hält Nasheed's erstes Amtsjahr fest, welches in dessen Reise zur Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 gipfelt, wo der Film einen seltenen Blick auf den politischen Kuhhandel erlaubt, welcher bei einer solchen Versammlung auf Spitzenebene vor sich geht. Nasheed offenbart seine Strategie mit ungewöhnlicher Offenheit: die unterlegene Position der Malediven als Hebel nutzen, um die Medien und deren Macht zu gewinnen und zur Geschlossenheit mit anderen Entwicklungsländern aufrufen, um Blockaden zu überwinden. Als die Hoffnung auf eine gemeinsame schriftliche Erklärung schwindet, hält Nasheed eine ergreifende Rede, die zu einer Einigung führt. Trotz der bescheidenen Grösse seines Staates ist Mohamed Nasheed eine der führenden internationalen Stimmen im dringlichen Kampf gegen den Klimawandel geworden.

Am 7. Februar 2012 trat Mohamed Nasheed als Präsident zurück, nachdem er nach eigenen Angaben unter Androhung von Gewalt dazu gezwungen worden war. (Die Gegenseite des heutigen Präsidenten Mohammed Waheed Hassan bestreitet dies.) Seither wird das Land von politischen Unruhen erschüttert.

"The Island President" eignet sich gut zur Aufführung an grossen Events und prominenten Aktionen sowie als Weitergabe-DVD. Auch im Unterricht ab Sekundarstufe kann der Film eingesetzt werden, sollte dann jedoch vor- und nachbereitet werden, da er viele Fachbegriffe voraussetzt.

Ausgewählt für das Filme für die Erde Festival 2014.

Ein flüssiger, intelligenter und sehr schön gemachter Film, der zeigt, welche direkten Konsequenzen der Klimawandel auf die Lebensgrundlage eines ganzen Landes und dessen Bevölkerung haben kann. Insbesondere die Abläufe vor, während und nach dem Klimakongress in Kopenhagen werden beispielhaft dokumentiert. Sehenswert!

Obwohl die Ursachen des Klimawandels nicht explizit erklärt werden, vermittelt "The Island President" die damit zusammenhängenden Probleme und deren Dringlichkeit anschaulich. Da die Malediven auch in Europa als Ferienziel beliebt sind, können wir eine gewisse Verbindung zu unserer eigenen Lebenswelt herstellen. Lösungsansätze werden vor allem auf staatlicher Ebene aufgezeigt.

Auch wenn der Film das Thema durchaus systemisch betrachtet und den menschlichen Einfluss auf die Erde gut darstellt, hätte ihm eine etwas fundiertere Vermittlung von Wissen und Fakten wohl nicht geschadet. Da zudem das heutige Wissen auch kaum relativiert und hinterfragt wird, ist der wissenschaftliche Wert eher klein.

Die emotionale Wirkung ist sehr stark, der Film weckt Empathie und Verantwortungsgefühl. Die globale Perspektive öffnet den Zugang zu einem kollektiven Bewusstsein.

Handwerklich ist "The Island President" durchwegs professionell und gelungen – es stimmt einfach alles!

Regie: Jon Shenk
Drehbuch: Pedro Kos
Produktion: Richard Berge, Bonni Cohen, ITVS, Actual Films, Afterimage Public Media
Musik: Doug Bernheim
Akteure: Mohamed Nasheed
 
Entstehungsjahr: 2012
Dauer: 101 min
Bildformat: 16:9
Unsere Altersempfehlung: 14
Sprache (Ton): Englisch
Sprache (Untertitel): Deutsch
Entstehungsland: Vereinigte Staaten
Drehorte: Dänemark, Indien, Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich, Malediven
 
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Hauptthema: Klima Potential Mensch
Nebenthema: Klima Mut Naturkatastrophen Politik
Erwähnungen: Malediven Meeresspiegel Anstieg Klima Wandel
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