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Plastic China

Zeitungsberichte über die Hochzeit von Prinz William sind magische Umhänge für die Kinder, Augenklappen von Qantas Airways dienen den Arbeitern als Schutzmaske, eine niederländische SIM-Karte kommt mit einer "Willkommen in China"-Nachricht daher, wenn sie in ein Handy gesteckt wird. Willkommen im Plastik-China. Als weltweit grösster Importeur von Plastikabfällen erhält China jedes Jahr 10 Millionen Tonnen Plastik – das meiste davon aus Industrieländern aus der ganzen Welt. Da die hohen externen Kosten vor Ort die Umwelt und die Gesundheit beeinträchtigen, werden die Importe hier in diesen Plastik-Werkstätten in "recyceltes" Rohmaterial verwandelt, um den Hunger Chinas zu stillen – der Fabrik für die Welt. Dieser Abfall wird dann wieder dorthin exportiert, wo er herkam. Im neuen Gewand beispielsweise als Kleidungsstück oder Spielzeug.

Die Hauptdarstellerin in "Plastic China" ist Yi-Jie, ein 11-jähriges Mädchen, das nicht zur Schule geht. Ihre Familie arbeitet und lebt in einer der typischen Plastik-Werkstätten. Sie lebt in armen Verhältnissen ein verdrehtes Leben, erfährt aber in der "United Nations of Plastic Wastes" genannten Abfall-Werkstatt, in der ihre Familie lebt und arbeitet, etwas über den Rest der Welt. Inmitten als des Abfalls erlebt sie glückliche und auch sorgenvolle Momente. Dank kleiner Packungen eines schwarzen, weggeworfenem Instantpulvers lernt sie den bitteren Geschmack von Kaffee kennen. Von englischen Lernkarten für Kinder lernt sie Wörter wie "Summer" und "Father's Day". Und eine kaputte Barbie-Puppe ist ihre beste Freundin, mit der sie reden kann. Das ist ihre kleine Welt.

Ihr Vater versprach vor 5 Jahren, sie zur Schule zu schicken. Doch er hielt sein Versprechen bisher nicht. Stattdessen gibt er sein hart verdientes Geld für Alkohol aus. Trotzdem hofft Yi-Jie weiterhin darauf, eines Tages zur Schule zu gehen, und wir sehen, wie sie eine Verspielte Schulwerbung in den Händen hält. Wird sie es jemals schaffen, in einem Klassenzimmer zu sitzen, um zu lernen? Oder wird sie wie ihre Eltern enden, als Analphabet und Arbeiter in einer Recycling-Werkstatt? Wie wird ihre Zukunft aussehen?

Kun, der Besitzer der Werkstatt, steht für Yi-Jie für Geld, Macht und die gebildete Klasse. Er schaut auf Yi-Jies Familie herab, ist aber auch von ihnen abhängig, da sie die dreckige Arbeit verrichten, die niemand sonst tun möchte. Wenn er gute Laune hat, bringt er Yi-Jie oft bei, wie man liest und schreibt. Er arbeitet Tag und Nacht, ignoriert dabei die physischen und psychischen Gesundheitsprobleme, die er und seine Familie haben. Nur um auf einen Sedan zu sparen, wie ihn auch ein anderer Chef in der Gegend hat. Er hat Angst davor, von oben herab betrachtet zu werden. Und der Besitz eines Auto ist das Statussymbol, das zeigt, dass man es in dieser Welt zu etwas gebracht hat.

​"Plastic China" folgt diesen Familien durch den Alltag und erforscht, wie das Recycling von Plastikabfällen mit blossen Händen seinen Tribut fordert – nicht nur, was ihre Gesundheit angeht, sondern auch das Dilemma aus Armut, Krankheit, Verschmutzung und Tod. All das, um sich Tag für Tag mühsam durchzuschlagen. "Plastic China" deckt aber gleichzeitig auch das wahre Gesicht Chinas auf. Das aktuelle Bild von Chinas wachsendem Wohlstand, das die Welt hat, ist der Schönheitschirurgie ähnlich – gefälscht und anfällig, mit unklaren Auswirkungen. Menschen werden wegen dieser unechten Schönheit verrückt und ihre Schicksale so geformt, wie es die Realität verlangt. Genau wie die Plastikprodukte, die aus der Guss-Maschine kommen.

Der Plastik-Müll, der aus der ganzen Welt importiert wird, symbolisiert das Leben jener am anderen Ende der Welt. Weit weg von Chinas Recycling-Werkstätten. Wenn diese symbolträchtigen Abfälle tief in die improvisierte Welt dieser chinesischen Arbeiter eindringen, werden wir mit der Wahrheit konfrontiert, das die Welt flach ist und Probleme nicht einfach verschwinden, wenn wir die Zeit und den Ort ändern. Am Ende sind wir alle gemeinsam davon betroffen, als eine globale Nation. Und wir alle spielen unsere Rolle in dieser sich stets verändernden Welt.

Regie: Jiu-Liang Wang
Produktion: Ruby Chen, Ben Tsiang, Chao-Wei Chang, Hsiao-Ming Hsu, Guan-Ting Yue, Jung Liu, CNEX, Beijing TYC Media, Oriental Companion Media
Musik: Tyler Strickland
 
Entstehungsjahr: 2016
Dauer: 82 min
Unsere Altersempfehlung: 12
Sprache (Ton): Chinesisch
Sprache (Untertitel): Englisch
Entstehungsland: China
Drehorte: China
 

Tags

Hauptthema: Upcycling, Recycling + Abfall
Nebenthema: Plastik
Erwähnungen: China Plastik Abfall Kinder Recycling Armut Krankheit Verschmutzung Statussymbol Auto Müll
Themenseite(n): Upcycling, Recycling + Abfall

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